Keine Scheu vor "Männerdomänen" – Frauen in der Softwarebranche

Die Softwarebranche ist auch 2022 noch eine Männerdomäne. Und auch bei uns überwiegt der Anteil der männlichen Softwareentwickler deutlich. Aber warum eigentlich? Können Frauen die Arbeit nicht so gut, “weil das schließlich mit Technik zu tun hat”, haben sie eine gewisse Scheu vor so vielen männlichen Kollegen, oder sind das alles längst überholte Vorurteile? Passend zum Weltfrauentag haben wir bei unserer Software Entwicklerin Katrin genauer nachgefragt…

Chantal Faaß

1.3.2022

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Katrin hat an der Universität Augsburg im Bachelor- und Masterstudiengang “Informatik & Multimedia” studiert. Anschließend war sie für sechs Jahre als UI/UX Designerin und Frontend Engineer in einem Münchner Start-Up in der Tourismusbranche beschäftigt.

Seit November 2018 ist sie Software Entwicklerin bei tresmo. In ihrer bisherigen Laufbahn hat sie in den unterschiedlichsten Konstellationen gearbeitet: alleine, in einem kleinen Team von 2 Personen, aber auch mit rund 10 Kollegen zusammen.

Für uns ist sie also die perfekte Ansprechpartnerin, wenn es um Frauen in der Softwarebranche geht. Wie sie zu ihrem Beruf kam, ob sie Erfahrungen mit Vorurteilen gegenüber Frauen in der IT-Welt gesammelt hat und was sie anderen Frauen mit auf den Weg geben will, verrät sie uns zum Internationalen Frauentag.

Katrin, du bist seit 2018 bei tresmo. Was genau ist hier dein Aufgabengebiet?

Aktuell bin ich als Fullstack-Entwicklerin in einem Projekt, bei dem ich die Entwicklung des Frontends, Backends und teils auch die Kundenkommunikation übernehme. 

Als ich frisch bei tresmo gestartet hatte, war ich vor allem im Bereich Frontend Entwicklung tätig. In meinem vorherigen Projekt ging es dann ausschließlich ums Backend. So habe ich beide Seiten super kennen lernen können und nun werden alle Anforderungen in der Rolle als Fullstack-Entwicklerin vereint.

Was bereitet dir an deinem Job am meisten Freude?

Für mich ist die richtige Mischung und Abwechslung super wichtig. Ausschließlich im Frontend, oder strikt im Backend zu arbeiten, wäre mir auf Dauer zu langweilig. Deshalb freue ich mich besonders, dass ich nun Frontend als auch Backend vereint habe und als Fullstack-Entwicklerin arbeiten kann.
Klar, das ist eine zusätzliche Herausforderung, aber andererseits macht es auch sehr viel Spaß, weil man von A bis Z für die Produktentwicklung verantwortlich ist.

Wie bist du auf die Idee gekommen, in der Softwarebranche zu arbeiten?

Das war ehrlich gesagt Zufall. Mein Plan war es nie, später einmal als Entwicklerin zu arbeiten.

In der Schule hatte ich Kunst-Leistungskurs und dachte deshalb auch ganz lange, dass ich irgendetwas in Richtung Kunst machen werde. Kreatives lag mir schon immer und hat mir viel Spaß gemacht. Das Problem in der Kunstbranche ist aber, dass man einen großen Namen braucht, um davon auch leben zu können. Deshalb war dieser Wunsch für mich recht schnell wieder vom Tisch - es musste etwas Handfestes her, mit dem man auch einen gewissen Grad an finanzieller Sicherheit bekommen kann. 

So bin ich recht schnell bei Kommunikationsdesign und Mediendesign gelandet. Das ist ja auch Kunst, nur eben digitalisiert. Hier standen meine Chancen auf einen Studienplatz aber sehr schlecht - über 300 Bewerber:innen auf 30 Plätze… 

Es war dann eher Zufall, dass ich an der Universität Augsburg auf den Studiengang “Informatik & Multimedia” gestoßen bin.

Für mich klang das auf den ersten Blick sehr ähnlich. Ich habe mich dann auch gar nicht mehr damit auseinandergesetzt, weil ich mit meiner Anmeldung ohnehin schon sehr knapp dran war. Die Hauptsache war damals, dass ich noch einen Studienplatz bekomme - und das kurz vor dem offiziellen Semesterbeginn.

Wirklich gewusst, was Informatik ist, habe ich, bevor das Studium los ging, eigentlich nicht. Aber mir hat die Materie gefallen, deshalb habe ich nach meinem Bachelor sogar noch den Master dran gehängt.

Welche Erfahrungen mit Vorurteilen gegenüber Frauen in der Softwarebranche hast du gesammelt?

Tatsächlich bin ich sowohl im Studium, als auch später in der Arbeitswelt vor Vorurteilen und Klischees immer verschont geblieben. Es war nie ein Thema, dass ich als Frau in einer von Männern dominierten Branche arbeite.
Ehrlich gesagt habe ich den Eindruck, dass die Meinung, es gäbe solche Vorurteile und Klischees, eher von Personen kommen, die selbst gar nicht aktiv in dem Bereich arbeiten.

Wie in allen anderen Lebensbereichen auch, kommt es einfach auf die Menschen an, mit denen man arbeitet, Ich persönlich hatte bisher wirklich nur positive Erfahrungen, was die Aufgeschlossenheit und Teamfähigkeit meiner Kolleg:innen angeht. Ganz egal, ob Männer, Frauen, oder nicht-binär.

Welchen Tipp würdest du anderen Frauen, die in “Männerdomänen” möchten, mit auf den Weg geben?

Das Wichtigste ist, keine Scheu zu haben, nur weil die Branche es als “Männerdomäne” deklariert hat. Macht einfach das, wozu ihr Lust habt und wofür ihr euch begeistern könnt. Nur so schaffen wir es schließlich auch, dass klassische “Männerberufe” in Zukunft nicht mehr diesen Stempel aufgedrückt bekommen. 

Zudem gibt es Angebote, bei denen man in technische Berufe reinschnuppern kann. Ich habe zum Beispiel selbst am “Girl’s Day” teilgenommen und mir im Rahmen dieses Angebots verschiedene Berufsbilder angesehen. Auch im Studium kann man sich unterschiedliche Richtungen ansehen. So stellt man schnell fest, was zu einem passen könnte.

Schlussendlich geht es doch darum, etwas zu finden, das einem selbst Spaß macht - also traut euch einfach!


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