Unsere 5 Thesen für den Mittelstand im IoT-Jahr 2022

Die Ampel postuliert “Deutschland braucht einen umfassenden digitalen Aufbruch.” Wir sagen, 2022 ist das Jahr in dem der deutsche Mittelstand bereits in der digitalen Wirtschaft ankommen wird! Damit Sie den Anschluss nicht verpassen und bereit sind für das neue Jahr, haben wir bei tresmo unsere fünf Thesen für das IoT-Jahr zusammengefasst.

Dr. Sebastian Heger

23.12.2021

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1. Digitale Ökosysteme gewinnen an Bedeutung

Ökosysteme sind mehr als nur eine Plattform in der Cloud. Sie sind ein Zusammenspiel verschiedener Akteure in einem wirtschaftlichen Markt. Digitale Ökosysteme haben zudem meist eine Plattform als Orchestrator, über die die Akteure interagieren. Bestes Beispiel ist das Ökosystem rund um den Apple Appstore. Die Plattform verknüpft Apple Geräte und Services (TV, Music, …) mit zahlreichen Unternehmen und Anbietern die ihre Produkte und Dienstleistungen in Form von Apps den Apple Nutzern anbieten. 2020 wurden so unfassbare 643 Mrd US $ umgesetzt. Mehr als das Bruttoinlandsprodukt mancher europäischer Länder im gleichen Jahr. Bemerkenswert ist zudem, dass dabei laut Apple 90% des Umsatzes an Dritte im Ökosystem gingen.

Solche digitale Ökosysteme (nicht nur der Apple App Store) werden im neuen Jahr weiter und deutlich an Bedeutung gewinnen. Dadurch wird es insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen von zentraler Bedeutung sein in solchen Ökosystemen zu interagieren. Die gute Nachricht: nicht jeder muss dazu eine Plattform entwickeln, aber es ist wichtig die Rolle des eigenen Unternehmens zu erkennen.

2. Zum digitalen Mittelstand in drei Phasen

Der deutsche Mittelstand macht im kommenden Jahr wichtige Schritte hin zur digitalen Zukunft. Dabei sehen wir drei Phasen, die von den Unternehmen durchlaufen werden.

Im ersten Schritt vernetzen Unternehmen nicht nur ihre Geräte und Produkte, sondern auch Kunden (B2C) und Unternehmen (B2B). Es entstehen bspw. Monitoring-Apps für Endkunden und Service-Apps für Mitarbeiter. Wir nennen das die “Connect”-Phase.

Im zweiten Schritt erfolgt die Integration der vernetzten Daten mit  den Geschäftsanwendungen (z.B. ERP, CRM) und über die Unternehmensgrenzen hinweg in beispielsweise Partnerportale. Wir nennen das die “Integrate”-Phase.

Im letzten Schritt automatisieren Unternehmen ganze Prozessketten. Beispielsweise können die smarte Bepreisung für Kunden (pay-per-use) oder komplexe Service-Dienstleistungen (KI-basiertes predictive maintenance) auf der Basis von “Connect” und “Integrate” realisiert werden. Wir nennen das die “Automate”-Phase.

Bisher fiel vielen kleinen und mittleren Unternehmen bereits der erste Schritt (Connect) schwer, um die Grundlage für digitale Erfolge zu erzielen. Zu wenige Fachkräfte für die Umsetzung, zu hohe Investitionskosten für die Entwicklung und der Betrieb der Lösung wurde meist erst gar nicht thematisiert. Dank Public Cloud Providern und Systemintegratoren wird der Einstieg in das digitale Zeitalter nun aber deutlich einfacher. Viele Komponenten einer IoT-Lösung müssen nicht mehr individuell entwickelt sondern nur noch geschickt kombiniert werden.

3. Die Kundenapplikation (statt der IoT-Plattform) im Fokus

Aber Achtung vor der eierlegenden Wollmilchsau! Viele Lösungsanbieter versprechen mit einer IoT-Plattform “von der Stange” die digitale Lösung für kleines Geld. Häufig zeigt sich, dass kurzfristige Ziele (“ich will meine Geräte vernetzen und Daten sammeln”) mit diesen Lösungen sehr schnell erreicht werden können. Aber bereits mittelfristig werden die Grenzen der IoT-Plattform sichtbar. Mit wachsender Erfahrung und auf den zweiten Blick passen die Lösungen meist doch nicht 100%ig zu den Anforderungen des Unternehmens. Proprietäre IoT-Plattformen sind mitunter schwer erweiterbar und bieten nicht immer die Möglichkeit weitere Anwendungsfälle abzubilden und neue Funktionalität hinzuzufügen. Sie sind damit schlecht geeignet, um hochindividuelle Kundenapplikation zu realisieren, notwendige Workflows abzubilden oder passende Nutzungs- und Rollenkonzepte umzusetzen. Hinzu kommt die Gefahr eines Vendor-Lock-Ins, wodurch der Wechsel zu anderen Anbietern von Softwarelösungen im Nachhinein schwerfällt. So gelingt mit Lösungen “von der Stange” die Differenzierung vom Wettbewerb nicht. Kann doch jeder Mitbewerber die Lösung ebenfalls kaufen und einsetzen.

Im Fazit heißt das mehr Fokus auf die Kundenapplikation bereits in der “Connect”-Phase. IoT-Plattformen reichen alleine nicht aus. Kluge Architekturen sind nötig, um langfristig Kundenmehrwerte zu realisieren, einen Vendor-Lock-In zu verhindern und auch mit wachsender Erfahrung noch kostengünstig agieren zu können

4. IT-Sicherheit dank Public Cloud

Die Schlagzeilen über “log4j” machen uns die Anfälligkeit der digitalen Welt einmal mehr nur zu deutlich. Ransomware-Angriffe setzen ganze Unternehmen ausser Gefecht und verursachen Schäden in Milliardenhöhe.

Also lieber nicht auf die Digitalisierung setzen? Besser doch, denn nur sehr wenige Unternehmen werden langfristig außerhalb digitaler Ökosysteme wettbewerbsfähig bleiben (siehe 1)). Insbesondere der Mittelstand muss sich aber klar werden, dass es (fast) unmöglich ist eine eigene IT-Infrastruktur wirtschaftlich zu betreiben. Gute IT-Fachkräfte sind rar, die Hardware teuer und Software immer up-to-date zu halten kostet Unsummen. Das kann in einem verhältnismäßig kleinen Rahmen für einzelne Unternehmen nie skalieren.

Anders verhält es sich bei Public Cloud Anbietern. Microsoft investiert beispielsweise pro Jahr ca. 1 Mrd. US $ allein in IT-Sicherheitsmaßnahmen. Zudem sind Cloud Services immer auf dem neuesten Stand und werden im Hintergrund laufend mit Updates versorgt. Ein weiteres Plus: durch Rechenzentren in Deutschland garantieren die Anbieter die Einhaltung der strengen Datenschutzregelungen und machen die Cloud so attraktiv für Unternehmen.

Und eins gilt es immer zu Bedenken: die größte IT-Schwachstelle sitzt mit 40cm Abstand vor dem Rechner! Über 90% der Angriffe (Phishing) sind auf unachtsame Mitarbeiter und Nutzer zurückzuführen.

5. Der richtige Partner macht den Unterschied

Der Weg hin zu digitalen Produkten und Dienstleistungen führt unweigerlich vorbei an der Frage nach der Konzeption und Umsetzung. Vielversprechende Ansätze und Ideen scheitern aber bereits an der Frage: “können wir das selbst tun?”

Dabei ist die bessere Frage im kommenden Jahr: sollten wir das überhaupt selbst tun? 

Mit dem richtigen Partner und einer vielzahl verfügbarer Lösungen gelingt der Start in die digitale Zukunft. Systemintegratoren können für viele Unternehmen den entscheidenden Unterschied machen. Achten Sie auf die Unabhängigkeit und die weitreichende Erfahrung des IoT-Dienstleisters. 

Beispielsweise darf zu Beginn die Diskussion nicht über technische Möglichkeiten gehen. Vielmehr muss der Partner die Zielsetzung, Zielgruppen und Anwendungsfälle verstehen, um die Komplexität einer IoT-Lösung dirigieren zu können. Sie konzentrieren sich auf Ihre Kernkompetenz: die Probleme und Herausforderungen der eigenen Kunden verstehen, das passende Produkt- und Dienstleistungskonzepte entwickeln und eine begeisternde Customer Experience gestalten. Ihr Partner muss den Business Case der IoT-Lösung verstehen und kann so kostengünstige und perspektivisch erweiterbare Ansätze aufzeigen. 


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