Die IoT-Plattform als Allheilmittel! Oder doch nicht?

IoT-Plattformen können sich vor Nachfrage kaum noch retten. Warum wir davon überzeugt sind, dass sie nur ein Teil des goldenen Wegs zur gewinnbringenden Lösung sind, erklären wir in diesem Artikel.

Marcel Möstel

15.6.2021

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Digitale Plattformen sind das Nonplusultra: Von Airbnb über Amazon, Uber oder Ebay bis hin zu den App-Stores von Apple zeigen sie, wie der schnelle Erfolg gelingt. Viele Unternehmen sind deshalb davon überzeugt, dass sie dieses Modell auch in die Welt des Internet of Things übertragen können. Leider ist es nicht ganz so einfach, wie es auf den ersten Blick aussieht. IoT-Plattformen sind nur ein kleiner Baustein innerhalb einer IoT-Lösung. ERP- bzw. CRM-Systeme, Business-Logik, Gateways, Analytics, Anwendungen, Apps und miteinander kommunizierende Produkte sind mindestens genauso wichtig. Und das ist nur die technische Perspektive, zu der selbstverständlich die personellen Ressourcen aus Support und Technik sowie Vertrieb und Marketing hinzukommen. Ebenso wie die notwendigen Umsetzungspartner:innen und zu guter Letzt die Nutzer:innen, die einen Mehrwert aus der innovativen Lösung ziehen sollen.

Worauf kommt es eigentlich wirklich an?

Verfügbare Technologien, existierende Tools und erprobte Best Practices sind spannend und verlocken zur Nachahmung. Doch wer mit diesem Fokus an seine innovativen Projekte geht, verliert oft das Wesentliche aus den Augen: Es geht um den Kund:innennutzen und darum, einen echten Mehrwert zu schaffen. Wenn die:der Anwender:in nicht im Zentrum aller Überlegungen steht, ist das IoT-Projekt von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Die wichtigsten Fragen lauten also immer: Welches Problem wollen wir lösen? An welcher Stelle gibt es noch Optimierungspotenzial? Was hat die:der Nutzer:in am Ende davon? Aus den Antworten auf diese Fragen leiten sich Produkt- und Servicekonzepte fast von selbst ab. Und dann findet sich auch immer die passende technische Lösung zur Umsetzung. 

Geht es darum, die Wertschöpfungskette zu optimieren und transparenter zu gestalten, um effizientere Prozesse abzubilden und Reaktionszeiten zu verkürzen, sind standardisierte Lösungen ein guter Weg. Hier gibt es zahlreiche erprobte Ansätze, um eine Smart Value Chain zu gestalten. Wer jedoch smarte Produkte und Services anbieten möchte, um sich vom Wettbewerb zu differenzieren und neue Business-Modelle zu entwickeln, braucht individuelle Lösungsansätze, die auf jeden jeweiligen Einzelfall passgenau zugeschnitten sind.

Wie nähert man sich dem Marktbedarf richtig?

Manche Initiativen erreichen das jeweilige Unternehmen top down, also über einen Marktimpuls zu einer konkreten Nachfrage. Doch solche Impulse werden immer seltener, denn der Markt entwickelt sich enorm schnell weiter und die Komplexität steigt unaufhörlich. Ein bestehender Bedarf ist für die meisten Unternehmen kaum klar zu identifizieren, geschweige denn auf ein konkretes Problem herunterzubrechen. Darum entstehen die meisten IoT-Projekte heutzutage als sogenannte strategische Wette direkt aus dem Unternehmen heraus. Das gelingt dann besonders gut, wenn die verantwortlichen Teams sich intensiv in die Zielgruppe hineinversetzen und aus dem eigenen Know-how definieren, welchen Kund:innennutzen sie schaffen können und welche Business-Ansätze sich daraus ergeben. Die daraus entstehenden Lösungen und Produkte müssen in ihrem Lebenszyklus immer wieder kritisch betrachtet, hinterfragt und angepasst werden, um letztlich den tatsächlichen Bedarf der Nutzer:innen zu adressieren und einen konkreten Mehrwert zu liefern, der in steigende Umsätze und Unternehmenswachstum mündet.

Use or die! statt “Make or buy”

Die Frage nach Do it yourself oder professionellem Einkauf wird im Kontext von IoT-Projekten schnell ad absurdum geführt. Denn einerseits können IoT-Lösungen in der Regel nicht klassisch eingekauft werden, sondern sie werden als Services genutzt. Und darüber hinaus sollte kein Unternehmen sich ernsthaft fragen, ob es innovative Projekte mit neuen technologischen Ansätzen selbst machen könnte, sondern eher, ob das eigentlich sein muss. Jedes Unternehmen hat bestimmte Kernkompetenzen und in den wenigsten Fällen liegen diese im Thema IoT – außer, es handelt sich um einen IoT-Spezialisten. Und eben genau, weil es diese Experten am Markt gibt, tun sämtliche anderen Teams gut daran, die eigenen Mitarbeiter:innen nicht mit den neuen Anforderungen zu überlasten, sondern sich auf die Generierung von Kund:innennutzen zu konzentrieren und in der Umsetzung auf verlässliche und erfahrene Partner:innen zu setzen. Auch in einer solchen Zusammenarbeit profitieren Unternehmen von dem “eingekauften” Spezialwissen, ohne sich an dem Projekt zu verheben. Darüber hinaus denken Expert:innen gleich auch kulturelle Themen und strategische Marktausrichtung mit – zwei nicht zu unterschätzende Faktoren für langfristigen Erfolg.

 

Nicht die IoT-Plattform ist entscheidend, sondern der Mehrwert

Die zwei zentralen Fragen für jedes Unternehmen sollten immer sein: Was ist unser Ziel? Und warum ist das, was wir tun, wichtig für uns und unsere Kund:innen? Denn es geht immer um Menschen und erst nachgelagert um die Technologie. Technisch umsetzbar ist heutzutage nahezu alles. Umso wichtiger ist es, dass Verantwortliche die beteiligten Menschen nicht aus den Augen verlieren. IoT-Initiativen sind komplex und auch für viele Organisationen eine kulturelle Herausforderung. Daher ergibt es Sinn, sie als eigene Unternehmungen zu behandeln und interdisziplinäre Teams aufzustellen, die den dynamischen Anforderungen gerecht werden können. Auf diese Weise gehen wir die Projekte mit unseren Kund:innen an und entwickeln gemeinsam wertvolle IoT-Lösungen, die maßgeblich zum Unternehmenserfolg beitragen.

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